Münchner Mietshäuser – Immer mehr Eigentümer wollen verkaufen

Schlechte Stimmung bei Münchens Hausbesitzer. Immer mehr Eigentümer insbesondere von Mehrfamilienhäusern wollen in nächster Zeit verkaufen. Die Zahl der zum Kauf angebotenen Häuser und Wohnungen ist in München innerhalb eines Jahres um 55 % gestiegen (von 1.184 im Januar 2022 auf 1.839 im Januar 2023).

Der Stadt München sind inzwischen über 60 Häuser mit insgesamt ca. 2.000 Wohnungen zum Kauf angeboten worden. OB Dieter Reiter kann sich das nach Presseberichten nicht erklären. Wir schon. Unter Münchens Hausbesitzern gärt es schon lange. Eine zunehmend einseitige auf den Mieter ausgerichtete Gesetzgebung und Rechtsprechung konnte – weil dadurch auch die Schaffung von neuen Wohnraum verhindert wurde – den Anstieg der Mieten in Ballungsräumen wie München zwar nicht verhindern; frustriert und verärgert aber zunehmend Hauseigentümer und Vermieter u.a. durch einen ausufernden Verwaltungsaufwand mit immer höheren Anforderungen u.a. an Betriebskostenabrechnungen, Steuererklärungen, Pflicht zum Einbau funkablesbarer Geräte etc. etc. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Neuestes Beispiel: „Daumenschraube“ CO²-Steuer, die immer stärker angezogen wird, um Eigentümer zu teuren energetischen Sanierungen zu zwingen. Hinzukommt: Die Angst gerade älterer Hauseigentümer, sich die umfangreichen energetischen Sanierungen nicht leisten zu können, zu denen sie in den nächsten Jahren durch die Verschärfung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) u.a. Verpflichtung zu Hybridheizungen, Wärmepumpen etc. und EU-Bestimmungen (umfangreiche Wärmedämmmaßnahmen etc.) gezwungen werden sollen. Daher können die Vermieter auch nicht ernsthaft mit einer zumindest teilweisen Umlage der Kosten auf die Mieter rechnen. Diese Modernisierungsumlage wurde bereits in der Vergangenheit kontinuierlich reduziert – von früher 14 % auf 11 %, jetzt auf 8 % und nach dem Willen von Mieterverbänden soll sie für energetische Sanierungen ganz abgeschafft werden. Dann bleibt der Hauseigentümer vollends auf den Sanierungskosten von mehreren € 100.000 für ein Mietshaus sitzen.

Auf die Frage, wie insb. ältere Eigentümer diese Kosten finanzieren sollen, hat die Politik bisher nur ausweichende Antworten geliefert. „Wer weiß, was denen noch alles einfällt“, höre ich oft von Eigentümern. Dann jetzt lieber schnell verkaufen. Dementsprechend registrieren auch Makler einen stark gestiegenen Beratungsbedarf bei Eigentümern von Mehrfamilienhäusern, die sich über einen Verkauf informieren möchten. Das Problem für die Mieter: Die Stadt kann aus finanziellen Gründen nicht alle angebotenen Häuser kaufen. Private Eigentümer wollen sie nicht kaufen. Bleibt nur der gewerbliche, häufig ausländische Investor, dessen Finanzierer und Anleger höchstmögliche Ausschüttungen und Renditen sehen wollen. Dann aber „weht ein anderer Wind“ in Münchens Mietshäusern mit den allseits bekannten Folgen.

Rechtsanwalt Rudolf Stürzer, Vorsitzender Haus + Grund München