Wohnimmobilienmarkt München: „Quo vadis?“

Die Frage „Wohin wird das führen? Wer weiß, wie das noch werden wird?“ stellten sich in Anwesenheit zahlreicher Journalisten bereits im Vorfeld der diesjährigen Münchner Immobilienmesse (MIM) Fachexperten wie Alexander Hofmann (im rechten Foto ganz rechts), Vizepräsident des BFW Landesverbandes Bayern und Vorstandsprecher bzw. Geschäftsführer der Baywobau, Christian Winkler (Fotomitte), Vorstandsmitglied des BFW Bayern sowie Geschäftsführer der BHB Bauträger GmbH, wie auch Dr. Florian Forster (rechtes Foto, links), als Veranstalter der Münchner Immobilienmesse.

Schon zu Beginn der Pressekonferenz waren sich alle Experten darüber einig, dass der bis zum Sommer 2022 dominierende Verkäufermarkt in dieser Form auf absehbare Zeit nicht wieder zurückkehren wird. Zahlreiche Rückabwicklungen von bestehenden Kundenreservierungen und eine absolute Kaufzurückhaltung im Bereich der Neubauimmobilien bestimmten in Folge das 2. Halbjahr 2022. Diese Kauf- bzw. Investitionszurückhaltung traf aber nicht nur den Immobilienmarkt zitierte Alexander Hofmann, sondern auch andere Bereiche, wie bspw. die Automobilbranche. „Dieser schlagartige Stillstand im Abverkauf von Neubauwohnungen traf alle Bauträger mit voller Wucht“ ergänzte Christian Winkler und beschrieb im Anschluss die daraus resultierende schwierige Situation für den Münchner Immobilienmarkt. Nach seiner Einschätzung wird die aktuelle Zurückhaltung bzw. Zurückstellung von Bauprojekten aufgrund der schwierigen Marktbedingungen spätestens in ein bis zwei Jahren zu einer weiteren Verschärfung des Wohnungsmarktes in München führen. Wohnungen, die 2022 und 2023 nicht gebaut wurden, können nicht innerhalb kürzester Zeit wieder kompensiert werden. Diese quasi künstliche Marktreduzierung wird den Markt für Eigentumswohnungen, aber auch den Mietmarkt ungebremst treffen. Zu einer Reduzierung des Wohnungsbaus kommt erschwerend noch eine laufend steigende Nachfrage durch nationalen und internationalen Zuzug hinzu.

Bei der Analyse der Gründe für die Kaufzurückhaltung waren sich alle drei Experten schnell einig. Interessenten und Käufer unterliegen derzeit einer großen Verunsicherung und Unsicherheit hinsichtlich der persönlichen und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Hohe Finanzierungskosten durch gestiegene Zinsen, stetig steigende Immobilienpreise und ein Krieg „vor unserer Türe“, dessen Ende nicht absehbar ist, sind hierfür die elementaren Gründe.

„Die möglichen Lösungsansätze, um diese Krise zu bewältigen, lägen nicht alleinig in der Hand der Bauträger“, so Alexander Hofmann. „Uns bleibt nur die Stellschraube beim Einkauf von Grundstücken“ bestärkte auch Christian Winkler seine Aussage. Kritik kam in diesem Zusammenhang von Alexander Hofmann an die Adresse der Stadt München. „Hätte man in den letzten Jahren für den frei finanzierten Wohnungsbau ausreichend Baurecht geschaffen und die Auflagen bei der Schaffung von Baurecht nicht in dieser Form verschärft, hätte das positive Auswirkungen auf den Grundstücksmarkt gehabt. Denn ein erhöhtes Angebot entlastet den Markt. Dies hätte zwangsläufig nicht nur zu einer Entlastung beim Kauf von Wohnungen geführt, sondern auch den Mietmarkt entspannt.“ Und dass der Mietmarkt dem direkten Einfluss des Kaufmarktes unterliegt, bestätigen zum Abschluss der Veranstaltung nochmals Alexander Hofmann und Christian Winkler unisono. „Um den Mietmarkt zu entlasten, braucht es den Kaufmarkt. Denn aktuell ist die Entwicklung abzusehen, dass potentielle Käufer aktuell auf den Mietmarkt drängen. Diese Entwicklung und der Zuzug von gut bezahlten Fachkräften in unsere attraktive Stadt, werden die heute schon schwierigen Bedingungen nochmals verschärfen und verstärkt den Mittelstand und Familien treffen. Und das kann auch nicht im Sinne der öffentlichen Hand sein“, ergänzt abschließend noch einer der Experten und wünscht sich darüber hinaus, dass seitens des Staates Anreize gesetzt werden. „Seien es zeitlich befristete höhere Steuerabschreibungen für Kapitalanleger oder eine Unterstützung bzw. Zuschuss bei den Finanzierungskosten für Eigenheimkäufer“, so Alexander Hofmann. Denn jetzt gilt es Vertrauen in die Immobilie und (Planungs)Sicherheit für den Käufer zu schaffen, um damit herrschende Unsicherheit zu nehmen. Das ist „das Credo der Stunde“, so die Experten zum Abschluss der Veranstaltung.

(Andreas Baumann)