Liebe Leserinnen, liebe Leser,
zum Jahresende stellte der IVD seinen traditionellen Wohnimmobilien-Marktbericht für Bayern und speziell München vor. Zu diesem Zeitpunkt war die Situation noch absolut klar: „Die Preisspirale bewegt sich in Bayern unermüdlich nach oben. Auch im Herbst ist eine Abflachung der Immobilienpreise nicht in Sicht. Im Gegenteil: Im bayerischen Durchschnitt verzeichnen die Kaufpreise für Wohnimmobilien deutliche Zuwächse im Halbjahresvergleich, allen voran die Grundstückspreise. Der Trend der stark ansteigenden Kaufpreise in den bayerischen Mittelstädten hat sich im aktuellen Betrachtungszeitraum nochmals verfestigt.“
Und auch im Januar und Februar war der Markt noch stark – bis letztendlich die Corona-Krise Deutschland und die deutsche Wirtschaft erreichte. Damit setzte für viele Immobilienunternehmen und für den Markt insgesamt eine Zeit des Abwartens ein.
Die Corona-Krise hat derzeit auf dem Markt zwei gegenläufige Entwicklungen zur Folge: Zum einen haben die noch nicht abzuschätzenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bzw. die gesamtwirtschaftliche Lage einen klar preisdämpfenden Einfluss. Auf der anderen Seite verstärkt die Unsicherheit das Bestreben Geld im sicheren Hafen von Immobilieninvestments sicher unterzubringen. Wie diese beiden divergierenden Marktkräfte zum Tragen kommen hängt in hohem Maße von der Zeitdauer der Corona-Krise und speziell der Ausgangsbeschränkungen ab, über deren Lockerung derzeit vage diskutiert wird, für die es aber letztendlich noch keinen klaren Zeitplan gibt.
Wenn man das Marktgeschehen in München betrachtet, das mehr als zehn Jahren immer nur eine Richtung kannte, wäre es allerdings auch keine Katastrophe, wenn es auch einmal wieder etwas nach umgehen sollte.
Es stellt sich die Frage, wie sich Käufer in spe verhalten sollten – jetzt zugreifen oder abwarten? Auf alle Fälle würde ich jetzt keine überzogenen hektischen Entscheidungen treffen, d. h. um jeden Preis kaufen oder verkaufen, sondern man sollte sich die Situation erst einmal in Ruhe ansehen. Es gilt derzeit: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Hektische Aktionen bringen jetzt überhaupt nichts.
Der IVD erwartet grundsätzlich, dass es vor allem im mittleren und bezahlbaren Preissegment nur überschaubare Preisauswirkungen geben wird. Der Markt in München wird trotz der coronabedingten Belastungen des Marktes durch einen Bevölkerungszuwachs von +1,5% p.a. und immer geringerer Personenbelegung pro Wohnung, d.h. immer mehr Wohnfläche pro Person, deutliche Impulse erhalten.
Prof. Stephan Kippes
Leiter des IVD-Instituts
Immobilienverband Deutschland IVD